Historischer Dorfrundgang

Monatelang arbeiteten sie am Historischen Dorfrundgang: Die Hauptverantwortlichen Philipp Kunzelmann und Markus Drossel mit Hans Kropp, Nikolaus Kunzelmann, den Referenten Annette und Robert Schäfer, Käthe Kropp, Harald Hümmer, Adolf Demuth, Georg Amon und Leonhard Eberth (v. li.) FOTO: MARTINA DROSSEL

„Historischer Dorfrundgang eine ganz großartige Sache“

Viel Lob für vielbeachtetes Projekt – Großes Interesse bei Eröffnung mit Kreisheimatpflegerin

11.09.17   Weshalb gibt es in einem kleinen Dörfchen mitten in Oberfranken gleich drei Fachwerkhäuser im alpinen Stil? Warum war der Lätterbocher Nepomuk über Jahrhunderte tief beleidigt? Und was haben Dichterfürst Joseph Victor von Scheffel und der berühmte Staffelberg-Einsiedler Ivo mit Einbruchdiebstahl zu tun? – Diesen und anderen Fragen gingen die zahlreichen Gäste bei der Eröffnung des Historischen Dorfrundgangs mit QR-Code nach. Das Historiker-Ehepaar Robert und Annette Schäfer wusste viel Interessantes und manch Kurioses zu berichten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Harald Hümmer.

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Die Eröffnungsveranstaltung am Vorabend des Tag des Offenen Denkmals war mehr als Frontalunterricht. Zu dem, was die Kreisheimatpflegerin und ihr Mann erklärten, ergänzten die Anwohner Geschichten und Erlebnisse von anno dazumal. So erfuhren die jüngeren Teilnehmer, dass es früher ganz selbstverständlich war, mit dem Vieh unter einem Dach zu leben. Dass Wohnstallhäuser und Dreiseithofe, wie es sie in Oberleiterbach noch gibt, gängige Bauformen waren. Dass die private Fotografie erst in den 1950-er-Jahren für die Bevölkerung auf dem Land erschwinglich wurde und Anfang des 20. Jahrhunderts oft Wanderfotografen für teures Geld Aufnahmen fertigten. Und auch, dass die „interessanten Fremdkörper“, eingangs erwähnte Häuser im Schweizer Stil, in der Zeit der Heimatschutzbewegung entstanden, als Gegenpol zum überbordenden Historismus.

Langsam schlängelte sich die lange Karawane historisch Interessierter aus den Landkreisen Bamberg und Lichtenfels durch den 279-Einwohner-Ort. Robert und Annette Schäfer verstanden es, die Informationen mit viel Witz und Freude am Vortrag zu vermitteln. Und ab und an zu verblüffen, wie beispielsweise am Einsiedler-Ivo-Grab. „Victor von Scheffels ,Wohlauf die Luft‘ ist wohl das einzige Lied, in dem Einbruchdiebstahl verherrlicht wird“, meinte sie, grinste und zitierte aus der sechsten Strophe: „Hoiho! Die Pforten brech’ ich ein und trinke, was ich finde.“ Raunen und Schmunzeln machten sich breit.

Vom „beleidigten Brückenheiligen“ berichteten dann Harald Hümmer und Zweiter Bürgermeister Andreas Schonath: Da sich Oberend und Unterend nicht auf den Standort für den sandsteinernen Heiligen verständigen konnten, wurde er im 18. Jahrhundert kurzerhand auf dem Grundstück des Spenders aufgestellt – und blickte verdrossen in die Gegend. Erst seit wenigen Monaten steht der Brückenheilige, mittlerweile im Besitz der Marktgemeinde und sorgsam restauriert, nun an der Leiterbachbrücke – und ist damit endlich angekommen.

Im Juli reichten zweieinhalb Minuten, um die Bezirkskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft. Unser Dorf soll schöner werden“ bei ihrem Besuch zu beindrucken. Der Historische Dorfrundgang mit QR-Code, der mindestens bayernweit einzigartig sein dürfte, war ein Baustein für die Goldmedaille auf Bezirksebene. Der Spaziergang durch die Geschichte bei der offiziellen Eröffnung dauerte mehr als zwei Stunden. Erst als es dunkel wurde, fanden sich die zahlreichen Gäste wieder im Bereich des Gemeinschaftshauses ein, wo der Historische Dorfrundgang auch ganz offiziell startet. „Der Historische Dorfrundgang ist eine ganz großartige Sache“, befand Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer. „Es ist eben nicht alles schlecht, was modern ist. Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme.“ Durch Weitererzählen bringe man Geschichte in die  Zukunft. „Dieser Historische Dorfrundgang ist viel einfacher und praktikabler wie eine wöchentliche Führung, kann doch jeder Interessierte für sich und auf eigene Faust Wissenswertes erfahren. Die Umsetzung mit QR-Code spreche auch die jüngere Generation an.

Erster Bürgermeister Volker Dittrich sprach von innovativer Technik und einem wichtigen Baustein auf dem Weg zum Bezirksgold. Auch Harald Hümmer, der Gesamtprojektleiter „Unser Dorf hat Zukunft“ in Oberleiterbach, lobte das Projekt und die Umsetzung – und die Verantwortlichen dahinter. „Man mag es nicht sehen, doch im Historischen Dorfrundgang stecken viele Monate Arbeit, eine vierstellige Zahl an ehrenamtlichen Stunden“, führten die Hauptverantwortlichen, Philipp Kunzelmann und Markus Drossel, aus. „Er ist ein Vorzeigeprojekt, das aus der Dorfgemeinschaft entstanden ist.“

Und so hatten sie bei dieser Feierstunde einer ganzen Reihe an Mitwirkenden zu danken, allen voran Georg Amon (Datensammlung), Nikolaus Kunzelmann, Leonhard Eberth, Georg Schmuck (alle vom Team Ständerbau) sowie Käthe und Hans Kropp, Adolf Demuth und allen, die ihre Privatarchive für das Unterfangen öffneten. „Wir Macher haben durch die Arbeit am Historischen Dorfrundgang viel gelernt. Wir sichteten Bilder von Häusern, die es zum Teil nicht mehr gibt. Wir sahen Fotos von Festen, an die sich selbst die älteren Lätterbocher nur noch vage erinnern“, so Kunzelmann und Drossel. „Wir erfuhren vom Löschweiher, in dem so mancher Dorfbewohner das Schwimmen lernte. Wir hörten Geschichten von Auswanderern und tragischen Todesfällen, von beleidigten Heiligen und manch feucht-fröhlichem Erlebnis.“ Vor allem aber digitalisierten sie wertvolle Zeitdokumente und stellten sie der Öffentlichkeit zur Verfügung: an den 28 Stationen, auf den 29 Tafeln, durch das Scannen der QR-Matrix und im Internet unter www.oberleiterbach.de. „So wurde ein digitales Gedächtnis für den Ort aufgebaut – und das ist ein ganz großes Plus“, betonte Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer.     

Infobox „Historischer Dorfrundgang“:

Länge: 1,25 Kilometer

Zeitbedarf: 60 bis 90 Minuten

Stationen: 28

Besonderheit: Verknüpfung über QR-Matrix mit Internet

Finanzierung: Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein und Markt Zapfendorf

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14.07.17 - Die Zeitreise durch Lätterboch kann beginnen

Tafeln des Historischen Dorfrundgangs mit QR-Code stehen – Bezirkskommission kommt

OBERLEITERBACH Am Dienstag, 18. Juni, besucht die Bezirkskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“ das 279-Einwohner-Dorf Oberleiterbach. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um das sowieso schon sehr schmucke Dorf im Markt Zapfendorf ganz besonders herauszuputzen. Eines der zeitaufwändigsten Projekte ist dabei der Historische Dorfrundgang mit QR-Code, der nun vor der Vollendung steht.

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Insgesamt wurden dafür im Dorf 29 Tafeln vor den Baudenkmälern aufgestellt. Start des Historischen Dorfrundgangs ist am Gemeinschaftshaus am Eichenweg. „Auf den Tafeln können Geschichtsfreunde das wichtigste zum Entstehungsjahr und zur Bauform lesen. Außerdem haben wir für viele unserer Sehenswürdigkeiten tolle alte Fotos erhalten“, erklären Philipp Kunzelmann und Markus Drossel, die Hauptorganisatoren. „Wer dann den QR-Code mit dem Mobiltelefon oder Tablet einliest, bekommt weiterführende Informationen, beispielsweise zu Hausnamen, früheren Besitzern – und oftmals eine ganze Reihe an Bildern aus früheren Jahren und Jahrzehnten.“

Schweizerhausstil

Der Geschichtsfreund erfährt von Häuser in Schweizer- und Heimatschutzstil, von Klostergütern und einem Dreiseithof wie aus dem Musterbuch, von aufwändigen Martern, von Missionar Pater Laurentius und dem berühmtesten Sohn des Dorfes: von (Johann) Ivo Hennemann, dem Eremiten des Staffelbergs, dem Joseph Victor von Scheffel ein klingendes Denkmal schuf. Das Konterfei des Einsiedelmanns ziert auch die Tafeln des Historischen Dorfrundgangs.

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„Durch die Verbindung von Tradition und Moderne,

von klassischem Lesen und zeitgemäßen Medien,

dürfte er für viele Altersklassen interessant sein.“

Philipp Kunzelmann und Markus Drossel,

Projektverantwortliche

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Die Daten zum Historischen Dorfrundgang sind auch auf der neu geschaffenen Homepage www.oberleiterbach.de zu finden, die in den vergangenen Monaten aufgebaut wurde. „Natürlich ist auf der Internetseite noch nicht alles perfekt. Eine Homepage entwickelt sich stets weiter. Aber schon heute finden Interessenten hier Grundlegendes über den Ort, über unser reges Vereinsleben, über Feste und Feiern – und über die Geschichte unseres einst michelsbergischen Klosterdorfs.“

 „Wir sind schon ein wenig stolz, dass wir aus der Bevölkerung so viele aussagekräftige Fotos bekommen haben“, sagen Kunzelmann und Drossel. „Es ist schon interessant, wie sich das Dorf in den vergangenen Jahrzehnten und auch Jahrhunderten entwickelt hat.“ Auch die Ständer, die die Tafeln vor den Objekten präsentieren, sind „made in Oberleiterbach“: Leonhard Eberth und Nikolaus Kunzelmann bauten sie für das Projekt. Georg Amon half zudem bei der Recherche.

Nicht nur für den Bezirksentscheid

„Wir hoffen, dass der Historische Rundweg mit QR-Code von vielen Interessenten genutzt wird. Durch die Verbindung von Tradition und Moderne, von klassischem Lesen und zeitgemäßen Medien, dürfte er für viele Altersklassen interessant sein. Er wurde natürlich nicht nur für den Bezirksentscheid geschaffen, sondern soll, geht es nach uns, möglichst lange bestehen bleiben.“ Der Historische Dorfrundgang mit QR-Code konnte dank einer 750-Euro-Spende der Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein realisiert werden und aufgrund der Zusage von Erstem Bürgermeister Volker Dittrich, dass die Marktgemeinde Zapfendorf das Projekt finanziell unterstützt.

Von Martina Drossel

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Fleißiger Helfer im Einsatz - Nikolaus Kunzelmann montiert im Hintergrund eine Tafel für den Historischen Rundgang FOTO: Martina Drossel

Start am Dorfplatz

Wo lässt man natürlich einen Dorfrundgang starten? - Natürlich am Dorfplatz.

Somit befindet sich die Station 1 am Dorfplatz beim Gemeinschaftshaus (Eichenweg 8).

Nun möchten wir Ihnen erst einmal den Rundgang mit QR-Code erklären.

Der QR-Code kann mittels Smartphone oder Tablet eingelesen (gescannt) werden. Hierbei muss ein QR-Code-Scanner vorinstalliert sein. Ist dies nicht der Fall, schauen Sie sich die Erklärung unter dem Menüpunkt „Installation QR-Code-Scanner“

Starten Sie den QR-Code-Scanner und scannen Sie den QR-Code auf der Stationstafel, Sie können dies bei jeder Station separat tun oder auf Ihrem Gerät die Seiten selbst anwählen.

So erhalten Sie weiterführende Informationen zu den Sehenswürdigkeiten in Oberleiterbach und deren Geschichte.

Sie können sich an beliebiger Stelle auf dem Rundgang einsteigen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß damit.

Hinweis

Bitte respektieren Sie die Privatsphäre der Hauseigentümer und betreten Sie nicht die Grundstücke. Die Gebäude sind auch von öffentlichen Grund aus gut einsehbar.

 

Was ist ein QR-Code ?

Ein QR-Code ist ähnlich eines Barcodes, nur dass dieser vielfältiger anwendbar ist.

Das Handy oder das Tablet dient als Scanner. Hinter dem QR-Code steckt beispielsweise ein Text oder, wie in unserem Fall, eine Internetadresse. Hinweis: Die Nutzung des Historischen Dorfrundgangs mit QR-Code ist kostenlos, es fallen aber womöglich Gebühren Ihres Internetanbieters an.

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Installation QR-Code-Scanner:

Installation über Apple App Store oder Google Play Store:

In der Suchfunktion „QR Code Scanner“ eingeben, dann beliebiges Programm auswählen und installieren. Dabei fallen womöglich Gebühren Ihres Internetanbieters/des Programmanbieters an.

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