Geschichte Oberleiterbachs

Wann der Ort Oberleiterbach entstand, lässt sich heute im Detail nicht mehr nachvollziehen. Bereits um 800, zur Zeit Karls des Großen, taucht der Name „Leiterbach“ erstmals in Niederschriften auf. Historiker können aber heute nicht mehr eindeutig sagen, ob es sich um Ober- oder Unterleiterbach handelte. Auch nicht endgültig zu klären ist, welches der beiden Dörfer das ältere ist. Sicher ist, dass das Haufendorf am Anstieg zur nördlichen Frankenalb einst einer der 13 wichtigen Klosterhöfe des Bamberger Klosters Michelsberg war.

Im hohen Mittelalter verfügte das 1015 gegründete Benediktinerkloster über weitreichende und weit verstreute Besitzungen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1221 nennt „Leiderbach“, diesmal nachweislich Oberleiterbach, als einen Haupthof. Um die Bedeutung Oberleiterbachs zu stärken, „fälschten“ die Mönche das Dokument, datierten es auf die Zeit der Klostergründung 1015 zurück. Das war im Mittelalter aber alles andere als unüblich, es diente der Sicherung von Herrschaftsansprüchen. Genannter Klosterhof befand sich im Bereich der heutigen Anwesen Laurentiusring 4 und 8. Und an den hatten die umliegenden Bauern Abgaben zu leisten. Erstmals als Oberleiterbach taucht der Ort 1323 im Urbar A des Bistums Bamberg auf. In den Urbaren waren die Besitzungen und Rechtsansprüche des Bistums aufgezeichnet. Als im Mittelalter sich das Klima erwärmte, wurde das Dorf am Leiterbach ein wichtiger Weinanbauort des Klosters. Nicht weniger als 25 Weingärten sind überliefert, ein Flurname hat sich bis heute erhalten. Als jedoch um 1560 eine „Kleine Eiszeit“ einsetzte und wenig 1618 der Dreißigjährige Krieg entbrannte, brach der Weinanbau massiv ein.

Die Jahrzehnte des Krieges dezimierten die Lätterbocher Bevölkerung stark: Es sollte bis 1738 dauern, bis die Zahl der Einwohner wieder gleich der vor dem Krieg war. 1803 begann die Säkularisation, die Verweltlichung der Kirchengüter. Auch das Hochstift Bamberg wurde als kirchliches Herrschaftsgebiet aufgelöst. Die einst dem bistumseigenen Kloster Michelsberg verpflichteten Oberleiterbacher wurden im Jahr 1804 dem Landgericht Hallstadt zugewiesen, 1813 dann dem Landgericht Lichtenfels, 1841 dem Landgericht Scheßlitz und dann 1862 zum neu errichteten Landgericht Staffelstein, dem späteren Landkreis Staffelstein. Da blieb das Haufendorf bis zur bayerischen Gemeindegebietsreform 1972, als der Landkreis Staffelstein aufgelöst wurde und Oberleiterbach zum Landkreis Bamberg kam. Berühmtester Sohn des Ortes ist Johann Hennemann, besser bekannt als Einsiedler Ivo vom Staffelberg, dem der badische Dichter Joseph Victor von Scheffel in seinem Gedicht „Wohlauf, die Luft“ ein immerwährendes Gedenken schuf. Der spätere Eremit wurde am 26. Februar 1824 geboren, schloss sich in jungen Jahren der bayerischen Eremiten-Kongregation an und zog 1857 auf den „Berg der Franken“. Dank der Beliebtheit der Frankenhymne wurde der „Einsiedelmann“, der laut Gedichtsvers „nicht zuhaus“ war, zu einer Berühmtheit. Der Tourismus auf dem Staffelberg boomte so sehr, dass Ivo Hennemann irgendwann an seine Leistungsgrenzen stieß. 1897 zog er im Alter von 73 Jahren zurück nach Oberleiterbach in den Hof seiner Familie und verstarb dort am 11. September 1900. Ihm ist es zu verdanken, dass die Adelgundiskapelle den heutigen Kirchturm erhielt. Auch die steinerne Klause ist ein Vermächtnis des Eremiten aus Oberleiterbach.

Markus Drossel

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