Geschichte Oberleiterbachs

Das Dorf Oberleiterbach - Von Weinbau, Frondienst und Seelenheil

Dr. Thomas Gunzelmann referiert über ehemals michelsbergisches Klosterdorf

25.07.17   Chronisten schreiben das Jahr des Herrn 1221. Franz von Assisi stellt die (zweite) Ordensregel der Franziskaner auf. Nach einen Großfeuer lässt Bischof Ekbert Graf von Andechs-Meranien gerade den zweiten Bamberger Dom errichten. Und Heinrich von Schletten fürchtet um sein Seelenheil, verzichtet zugunsten des Klosters Michelsberg auf die Vogtei „Leiterbach“, mit der er einst vom Abt gelehnt wurde. Er ist die erste gesicherte Quelle, in der das Dörfchen Oberleiterbach einen Platz in der Geschichte findet.

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„Man darf jedoch davon ausgehen, dass der Ort noch viel älter ist“, erläuterte Dr. Thomas Gunzelmann, stellvertretender Referatsleiter Siedlungs- und Kulturlandschaftsdokumentation am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, im voll besetzten großen Saal des Gemeinschaftshauses seinen interessierten Zuhörern. Wie alt genau, das sei schwierig zu sagen, sei doch die Unterscheidung Unterleiterbach und Oberleiterbach erst eine aus der jüngeren Zeit. Früher habe man schlicht von „Leiterbach“ gesprochen, bereits um 800 sei ein solches erwähnt – jedoch sei davon auszugehen, dass es sich um Unterleiterbach handelte. „Ich vermute, dass es den Ort schon in karolingischer Zeit gab, wohl um 900 oder 1000.“ Schriftliche Nachweise aber gibt es keine. Dafür gibt es selbst aus der Eisenzeit menschliche Spuren rund um Oberleiterbach: Im Flurstück Hagenbüchlein Richtung Kleukheim und am Kohlanger Richtung Unterleiterbach sind Hügelgräber zu finden, die aus der Hallstadt- und frühen Latène-Zeit stammen dürften.

Name wohl von „Leite“

Doch was bedeutet er, der Ortsname Oberleiterbach? – Gunzelmann fußte diesbezüglich auf den Forschungsergebnissen von Dr. Dorothea Fastnacht zurück. Die wahrscheinlichste Deutung sei, dass es er von „Leite“, also dem fränkischen Begriff eines steilen Hangs, stamme. Oberleiterbach sei schließlich von fast allen Seiten von Anstiegen umgeben.

Im Mittelalter war die Geschichte Oberleiterbachs untrennbar mit der des Klosters Michelsberg in Bamberg verbunden, das der erste Bamberger Bischof Eberhardt 1015 gründen ließ. In Oberleiterbach stand einer der 13 Haupthöfe (principalia curtis). Dieser war so wichtig, dass sogar, wie im Mittelalter üblich, Urkunden gefälscht, also zurückdatiert wurden. Die bäuerlichen Untertanen hatten Abgaben und Frondienste an den Grundherren. Geleitet wurde das System vom auf dem Klosterhof ansässigen Meier, der im Obermainraum meist Hofmann genannt wurde. Ab 1366 wurde der Klosterhof (heute Laurentiusring 4 und 8) verpachtet und später auf Erbrecht verliehen. Abgaben an den Grundherrn waren aber natürlich weiter zu leisten: Bischof, Kloster und die Kirche selbst wollten entlohnt sein. Damit das auch klappte und notfalls Recht durchgesetzt werden konnte, wurden Vögte eingesetzt. Und über dieses Amt kamen auch die Marschalke von Kunstat (später Ebneth) zu Jahrhunderte währenden Besitzungen in Oberleiterbach.

Vier Käse zu Pfingsten

Dank einer vorzüglichen klösterlichen Buchführung lässt sich nachvollziehen, dass in „Obernleiterpach“ 1323/28 neun Bauern Zinsen von einer Hube (mansum) und drei weitere von einem Lehen (feudum) entrichteten. Die Abgaben waren nicht wenig, aber doch erträglich, wie Dr. Gunzelmann am konkreten Beispiel aufzeigte. In den Quellen heißt es: „Heinrich Hornung von einer Hube steuert an Walpurgis (1. Mai) und an Martini (11. November) jeweils ein Pfund Denare (Pfennige), außerdem 2 Sümmer Korn (ca. 600 l), an nativitas (Weihnachten) 2 Hühner; an carnisprivum (Fassnacht) 1 Huhn, an pascha (Ostern) 60 Eier, an pentecoste (Pfingsten) 4 Käse.“ Elf Huben – große Ackerflächen –  ließ das Kloster bewirtschaften, die später in immer kleinere Teile zerbrochen wurde. Das Dorf wuchs – und die Oberleiterbacher brauchten Broterwerb. Die Selden (Sölden) entstanden.

Bedeutend war nicht nur der Klosterhof: Oberleiterbach war mit seinen 25 Weingärten nördlich des Dorfes im Spätmittelalter auch ein bedeutsamer Weinbauort für das Kloster (montis monachorum). Der Rückgang des Weinbaus setzte um 1560 mit der sogenannten kleinen Eiszeit ein, der 30-jährige Krieg tat sein übrigens. Jedoch lasse sich noch 1801 ein Lätterbocher Weinberg in Oberleiterbach nachweisen, der damals dem Kloster Banz lehenbar war, so der Fachmann.

Bis zur Säkularisation

„Am Ende des Alten Reichs gehörte Obereiterbach zum Hochstift Bamberg, dessen Amt Lichtenfels die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit ausübte und Steuern, also Abgaben an den Landesherrn, einzog“, erklärte Dr. Thomas Gunzelmann. Das Kloster Michelsberg prägte noch immer, als mit Abstand größter Grundherr, die Geschehnisse im Ort. Und Lätterbach war ein vergleichsweise wohlhabendes Bauerndorf. „Handwerker gab es nur, soweit sie der Versorgung der Landwirtschaft dienten.“ Ein Zimmermeister, ein Schuhmacher, zwei Weber und ein Schmied gingen ihrer Arbeit nach, außerdem gab es zwei Wirte – und einige Einwohner betrieben gemeinsam ein Brauhaus. Bereits im 18. Jahrhundert gab es eine Schule. „Mit dem Übergang des Hochstifts Bamberg an Bayern im Jahr 1802 und damit auch der Aufhebung des Klosters Michelsberg ging die jahrhundertealte wesentliche Einflussnahme des Klosters auf das Dorf zu Ende“, führte der Fachmann aus.

Während sich die Bevölkerungsentwicklung in den zurückliegenden Jahrhunderten kaum veränderte, von den Auswirkungen des Krieges einmal abgesehen, so gebe es erst in jüngerer Zeit eine leichte siedlungsmäßige Aufwärtsentwicklung. Einher ging die Stagnation der Landwirtschaft, Oberleiterbach wurde Wohnstandort. „Bei den erheblichen Qualitäten des Ortsbildes und des Landschaftsbildes muss man sich allerdings für die Zukunft eine sehr sensible Planung wünschen“, schloss Dr. Thomas Gunzelmann seine Ausführungen.

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Als der Wirt die Kirchenmauer durchbrach

CHW-Exkursion im einst Michelsbergischen Klosterdorfs – Wunderschönes Kirchhoftor

OBERLEITERBACH   War es die Erwartung dreier Koryphäen auf ihrem Gebiet, die die zahlreichen Geschichtsfreunde an diesem Sommerabend nach Oberleiterbach lockte? War es die faszinierende Geschichte eines einst Michelsbergischen Klosterdorfs mit seiner 500-jährigen Kirche, die anspornte? Oder war es einfach die große Freude, endlich mal wieder Geschichte hautnah, und mit Witz und Charme vorgetragen, erleben zu dürfen? – Jedenfalls machten die mehr als 100 Interessenten die Exkursion des Colloquium Historicum Wirsbergense im 279-Einwohner-Dörfchen zu einem großen Erfolg. Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold, Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer und der Vierzehnheiligener Basilikaorganist Georg Hagel verwöhnten sie mit einem faszinierenden Spaziergang bis zurück ins Mittelalter.

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Zunächst gab die Bamberger Kreisheimatpflegerin einen Einblick in die Geschichte des Haufendorfs am Anstieg zur nördlichen Frankenalb, dessen Einwohnerzahl sich in den vergangenen 200 Jahren nahezu nicht veränderte. 1221 wurde „Leiderbach“ in einer Urkunde als einer der 13 Haupthöfe des Klosters Michelsberg genannt, 1323 dann taucht der Name Oberleiterbach im Urbar A des Bistums Bamberg erstmals auf. Der Klosterhof (heute Laurentiusring 4 und 8) diente der Versorgung des Stifts mit landwirtschaftlichen Gütern, so Schäfer. Im späten Mittelalter, in einer Phase der klimatischen Erwärmung, wurde Oberleiterbach ein wichtiger Weinbauort für das Kloster Michelsberg: „Es ist von etwa 25 Weingärten rund um Oberleiterbach die Rede“,  ekrlärte der Fachfrau aus Hirschaid. Als 1560 dann eine kleine Eiszeit einsetzte und alsbald der Dreißigjährige Krieg ausbrach, ging der Weinbau massiv zurück. Und die Bevölkerungszahl Oberleiterbachs brauchte aufgrund der Kriegs bis ins Jahr 1738, um wieder den Stand von vorher zu erreichen.

Als 1803 die Säkularisation begann, wurde der Ort zunächst in das Kurfürstentum und ab 1806 in das junge Königreich Bayern eingegliedert. Erst wurde das Dorf 1804 dem Landgericht Hallstadt zugewiesen, 1813 dann dem Landgericht Lichtenfels, 1841 dem Landgericht Scheßlitz und dann 1862 zum neu errichteten Landgericht Staffelstein, dem späteren Landkreis Staffelstein. Da blieb es bis zur bayerischen Gemeindegebietsreform 1972, als der Landkreis Staffelstein aufgelöst wurde und Oberleiterbach zum Landkreis Bamberg kam.

Beim kleinen Dorfrundgang erläuterte Schäfer die unterschiedlichen Baustile und Bauformen, richtete den Blick auf den Heimatschutzstil des „Neuen Schulhauses“ von 1913, in dem einst bis zu 54 Kinder gleichzeitig unterrichtet wurden, und zeigte andernorts die Schweizerhaus-Elemente an einem Fachwerkbau. Dass die Baustruktur des Ortes an vielen Stellen unverfälscht erhalten blieb, sei ein Glücksfall.

Zurück im von hohen Mauern umschlossenen Kirchhof, der bis 1968/69 als Friedhof diente und durch „das wohl schönste Kirchhoftor weit und breit“ (Dippold) zu erreichen ist, übernahm der Bezirksheimatpfleger. Er wartete gleich mit einem Kuriosum auf: Eigentlich sollte der Kirchhof nur einen Zugang haben. Eigentlich, denn da hatte die Kirche die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Besitzer „von dem ungefähr sechs oder acht Schuhe von der Kirchhofmauer entfernten Wirthshause“ nahm, wie 1827 niedergeschrieben, kurzerhand Steine aus der Mauer, „damit er und seine Gäste je am geschwindesten und unmittelbarsten vom Wirthshause zum Gottesdienst und vom Gottesdienst zum Wirthshause kommen können.“

Der CHW-Chef erklärte, dass der Kirchturm aus dem Jahre 1517 stamme, was die Inschrift des Schlusssteins belege. Einst war der Kirchturm jedoch wohl spitz, die schwierig zu konstruierende Welsche Haube ist ein Werk des Meisters Adam Kuntzelmann aus Stübig, der auch das Rathaus in Staffelstein erbaut hat. Das Langhaus sei grundlegend auch mittelalterlich, doch wurde es 1681 erweitert, unter Verwendung der Mauern.

„Als die Kirche errichtet wurde, gehörte Oberleiterbach zur Pfarrei Ebensfeld, davor vielleicht zu Staffelstein oder Scheßlitz. Es war vermutlich auch nicht die erste Kirche an dieser Stelle, denn bereits 1489/90 wird eine ,kirchmawer‘ erwähnt“, sagte Dippold. Als die Pfarrei Kleukheim entstand, wollten die Oberleiterbacher 1953 dieser zugeteilt werden – schlicht, weil der Fußweg dorthin nur halb so lang ist. Ein Jahr später erfüllte der Bamberger Bischof ihren Wunsch. Nicht mal ein halbes Jahrhundert später, als Kirchschletten von der Pfarrei Zapfendorf abgetrennt und eigenständig wurde, wurde Oberleiterbach diesem halb so großen Ort untergeordnet –„immer krieg und streit, händel“ (Visitationsprotokoll 1751) waren programmiert.

Von der mittelalterlichen Kirche ist im Innern nicht mehr viel erhalten geblieben, wohl aber die typische Sakramentsnische, wie der Bezirksheimatpfleger aufzeigte. Bildhauer Johann Samuel Koch fertigte 1686 den Hochaltar, ursprünglich mit einem fünf Schuh hohen „heyl. Lauerensius, in der linckhen Hand ein Rost, und in der rechten Hand einen Balmzweig haltent“. Als jedoch der Hochaltar 1975 durch ein ausladenden Drehtabernakel ergänzt wurde, war kein Platz mehr für den schulkindgroßen Heiligen – ein kleinerer Ersatz musste her, der „alte“ Heilige wurde etwas seiner Haare beraubt , über der südlichen Kirchentür positioniert und später wieder in die Kirche geholt, wo er heute die Flanke ziert.

1724 erhielt die Oberleiterbacher Kirche nachweislich eine Orgel, laut Professor Dippold vermutlich die erste. Das heutige, pneumatisch betriebene Instrument im Stile der Romantik stammt aus dem Jahr 1903, vom Orgelmeister Johann Wolf aus Bayreuth – einem gebürtigen Oberleiterbacher. Basilikaorganist Georg Hagel ließ die hunderte Pfeifen aus Holz und Metall in ihren schönsten Klangfarben erschallen. Zwar sei die Orgel nicht für opulente Bach-Werke ausgelegt, dennoch klanglich ein sehr schönes Instrument.

Gut zwei Stunden dauerte die kurzweilige Zeitreise des Colloquium Historicum Wirsbergense. Dabei durfte ein Exkurs zum berühmtesten Sohn des Ortes und seinerzeit „lebenden Scheffel-Denkmal“ (Dippold), zum Einsiedler (Johann) Ivo Hennemann, nicht fehlen. Als der badische Dichter ihm eine Passage in seinem Gedicht „Wohlauf, die Luft“ widmete, wurde auch der Oberleiterbacher Einsiedelmann eine Berühmtheit – und der Tourismus auf dem Staffelberg boomte. Dass die dortige Adelgundiskapelle einen Turm erhielt und die Klause durch einen Bau aus Stein ersetzt wurde, war Ivos Verdienst – und letztlich Vermächtnis. Die über 100 Geschichtsfreunde lauschten andächtig und goutierten die hervorragenden Darbietungen des Trios mit schallendem Applaus. Bei einigen Gläschen „Lätterbocher“, dem Jubiläumsbier zum 500-Jährigen der Kirche, wurden die Eindrücke abschließend vertieft.

 

 

 

Die Bamberger Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer führte über 100 Exkursionsteilnehmer durch den Ort. FOTO: MARTINA DROSSEL

 

 

Vor und in „Sankt Laurentius“ wusste Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold von so manchem Kuriosum zu berichten. FOTO: MARTINA DROSSEL

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Weniger…

Wann der Ort Oberleiterbach entstand, lässt sich heute im Detail nicht mehr nachvollziehen. Bereits um 800, zur Zeit Karls des Großen, taucht der Name „Leiterbach“ erstmals in Niederschriften auf. Historiker können aber heute nicht mehr eindeutig sagen, ob es sich um Ober- oder Unterleiterbach handelte. Auch nicht endgültig zu klären ist, welches der beiden Dörfer das ältere ist. Sicher ist, dass das Haufendorf am Anstieg zur nördlichen Frankenalb einst einer der 13 wichtigen Klosterhöfe des Bamberger Klosters Michelsberg war.

Im hohen Mittelalter verfügte das 1015 gegründete Benediktinerkloster über weitreichende und weit verstreute Besitzungen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1221 nennt „Leiderbach“, diesmal nachweislich Oberleiterbach, als einen Haupthof. Um die Bedeutung Oberleiterbachs zu stärken, „fälschten“ die Mönche das Dokument, datierten es auf die Zeit der Klostergründung 1015 zurück. Das war im Mittelalter aber alles andere als unüblich, es diente der Sicherung von Herrschaftsansprüchen. Genannter Klosterhof befand sich im Bereich der heutigen Anwesen Laurentiusring 4 und 8. Und an den hatten die umliegenden Bauern Abgaben zu leisten. Erstmals als Oberleiterbach taucht der Ort 1323 im Urbar A des Bistums Bamberg auf. In den Urbaren waren die Besitzungen und Rechtsansprüche des Bistums aufgezeichnet. Als im Mittelalter sich das Klima erwärmte, wurde das Dorf am Leiterbach ein wichtiger Weinanbauort des Klosters. Nicht weniger als 25 Weingärten sind überliefert, ein Flurname hat sich bis heute erhalten. Als jedoch um 1560 eine „Kleine Eiszeit“ einsetzte und wenig 1618 der Dreißigjährige Krieg entbrannte, brach der Weinanbau massiv ein.

Die Jahrzehnte des Krieges dezimierten die Lätterbocher Bevölkerung stark: Es sollte bis 1738 dauern, bis die Zahl der Einwohner wieder gleich der vor dem Krieg war. 1803 begann die Säkularisation, die Verweltlichung der Kirchengüter. Auch das Hochstift Bamberg wurde als kirchliches Herrschaftsgebiet aufgelöst. Die einst dem bistumseigenen Kloster Michelsberg verpflichteten Oberleiterbacher wurden im Jahr 1804 dem Landgericht Hallstadt zugewiesen, 1813 dann dem Landgericht Lichtenfels, 1841 dem Landgericht Scheßlitz und dann 1862 zum neu errichteten Landgericht Staffelstein, dem späteren Landkreis Staffelstein. Da blieb das Haufendorf bis zur bayerischen Gemeindegebietsreform 1972, als der Landkreis Staffelstein aufgelöst wurde und Oberleiterbach zum Landkreis Bamberg kam. Berühmtester Sohn des Ortes ist Johann Hennemann, besser bekannt als Einsiedler Ivo vom Staffelberg, dem der badische Dichter Joseph Victor von Scheffel in seinem Gedicht „Wohlauf, die Luft“ ein immerwährendes Gedenken schuf. Der spätere Eremit wurde am 26. Februar 1824 geboren, schloss sich in jungen Jahren der bayerischen Eremiten-Kongregation an und zog 1857 auf den „Berg der Franken“. Dank der Beliebtheit der Frankenhymne wurde der „Einsiedelmann“, der laut Gedichtsvers „nicht zuhaus“ war, zu einer Berühmtheit. Der Tourismus auf dem Staffelberg boomte so sehr, dass Ivo Hennemann irgendwann an seine Leistungsgrenzen stieß. 1897 zog er im Alter von 73 Jahren zurück nach Oberleiterbach in den Hof seiner Familie und verstarb dort am 11. September 1900. Ihm ist es zu verdanken, dass die Adelgundiskapelle den heutigen Kirchturm erhielt. Auch die steinerne Klause ist ein Vermächtnis des Eremiten aus Oberleiterbach.

Markus Drossel

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