Bioenergiedorf Oberleiterbach

OBERLEITERBACH
Oberleiterbach das erste Bioenergiedorf im Landkreis Bamberg Landrat Johann Kalb besucht Oberleiterbach und lobt den gelebten Bürgersinn

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Landrat Johann Kalb nimmt sich Zeit. Er ist fasziniert von der Technik, höchst angetan von der Effizienz und der Nachhaltigkeit, lässt sich von den Vorstandsmitgliedern Harald Hümmer und Reiner Zapf-Willmer im Heizhaus der Energiegenossenschaft Oberleiterbach (EGO) in aller Ruhe die Details der Dorfheizung erklären. Es ist der erste Besuch des Landkreis-Chefs im kleinen 274-Einwohner-Dorf ganz im Norden seines Wirkungsbereichs. Ein kleines, schmuckes, umtriebiges Dorf, das Geschichte geschrieben hat: Es ist das erste hochoffiziell anerkannte Bioenergiedorf im Landkreis Bamberg.

  • Angeregte Gespräche: Landrat Johann Kalb (2. v. re.) informiert sich bei den EGO-Vorstandsmitgliedern (v. li.) Nikolaus Kunzelmann und Harald Hümmer. Auch Bürgermeister Volker Dittrich (re.) hört aufmerksam zu. Foto: Martina Drossel

Vorbildcharakter. Dieses Wort fiel an diesem Nachmittag öfters. Immer wieder staunte der Landrat, immer wieder lobte er die engagierten Bürger und ihre zukunftsorientierten Visionen. In Oberleiterbach würden seit jeher zielstrebig Projekte umgesetzt, erläuterte EGO-Vorstandsprecher und Gemeinderat Harald Hümmer. Zielstrebig wurde auch das Unterfangen Dorfheizung angegangen, dessen Idee 2009 im Rahmen der Dorferneuerung entstand.

„Da im Rahmen der Dorferneuerungsmaßnahmen fast alle Versorgungsleitungen und Straßen in Oberleiterbach erneuert wurden, bot sich die Verlegung eines Nahwärmenetzes an“, erklärte er. „Kostengünstiger konnte eine solche Energieversorgungsinfrastruktur nicht realisiert werden.“ Viele Dorfbewohner brachten sich, ihre Fähigkeiten und ihr (berufliches) Knowhow ein, um das innovative Projekt umzusetzen. Als Gesellschaftsform wurde eine Genossenschaft gewählt – eine Energiegenossenschaft.

Biogas liefert Nahwärme

„Als erstes Projekt dieser Art in der Region Oberes Maintal – Bamberger Land wird von einer im Dorf errichteten Biogasanlage die Abwärme für ein Nahwärmenetz entnommen“, so Hümmer. „Komplettiert wird das Nahwärmenetz durch eine Hackschnitzel-Heizanlage.“ Mittlerweile sind 52 Prozent der Haushalte in Oberleiterbach an das Nahwärmenetz angeschlossen. Durch die Biogasanlage (Einspeisung ins Nahwärmenetz von 1 067 000 Kilowattstunden) und den Biomasseheizkessel (thermische Leistung: 500 Kilowatt) werden in Oberleiterbach jährlich rund 60 000 Liter Heizöl und etwa 10 000 Kilogramm Flüssiggas eingespart. „Der Jahresverbrauch an Wärme – 500 000 Kilowattstunden – wird zu 66 Prozent aus Biomasse gedeckt und der an Strom – 889 000 Kilowattstunden – sogar zu 100 Prozent.“ Damit sind die strengen Richtlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Wirtschaft, das den Titel Bioenergiedorf vergibt, mehr als erfüllt: Es hätte gereicht, den dörflichen Energiebedarf (Strom und Wärme) mindestens zu 50 Prozent aus regional erzeugter Bioenergie zu gewinnen. Derzeit sind beim Bundesministerium deutschlandweit 118 Bioenergiedörfer registriert.

  • Wärme aus Hackschnitzeln: EGO-Vorstandssprecher Harald Hümmer erklärt die Funktionsweise der Dorfheizung. 

„Die Umsetzung zum Bioenergiedorf stärkt die Dorfgemeinschaft und erhöht die Identifikation der Einwohner mit ihrem Ort und der Region“, erläuterte der Vorstandssprecher dem Landrat. „Die Möglichkeit, regenerative Energien für die Wärmeversorgung zu nutzen, stellt einen großen Anreiz für Neubürger im Ort dar.“

Um den Titel auch nach außen zu kommunizieren, wolle man künftig bereits an den Begrüßungsschildern am Ortseingang damit werben. Und da steht noch ein weiterer: Oberleiterbach ist Bundesgolddorf. Keinesfalls will sich der Ort auf den Lorbeeren ausruhen. „In den vergangenen Monaten konnten weitere Anschlüsse an das Nahwärmenetz im Ort umgesetzt werden. Und im zweiten Bauabschnitt der Dorferneuerung werden in diesem Sommer wiederum neue Nahwärmeanschlüsse an das Versorgungsnetz gekoppelt“, informierte Hümmer.

„Außerdem soll im Rahmen der Dorferneuerungsmaßnahme unter anderem auch die Straßenbeleuchtung mit Energiesparlampen umgerüstet werden.“ Und die Verantwortlichen hoffen, auch beim Wettbewerb Bioenergiedorf, der ebenfalls über das Bundesministerium läuft, einen Preis zu erzielen. Es winken 10 000 Euro Prämie, die Jury der Fachakademie Nachwachsende Rohstoffe tagt im September und gibt ihre Entscheidung im Januar 2017 bekannt.

Stets die Kirche im Dorf gelassen

Mehrere Millionen Euro wurden bislang in das Bioenergiedorf investiert, alleine für das Gesamtprojekt Dorfheizung waren es mehr als 1,3 Millionen Euro. Hinzu kommen die von privater Hand gebaute Biogasanlage und das Photovoltaikfeld auf der Anhöhe Richtung Reuthlos. Landrat Johann Kalb zeigte sich beeindruckt. Vor allem auch, dass in Oberleiterbach immer die Kirche im Dorf gelassen werde. Derzeit ist das wörtlich zu nehmen: Da „Sankt Laurentius“ im nächsten Jahr 500 Jahre alt wird, wird der Sakralbau innen renoviert. Die Gottesdienste finden seither im Gemeinschaftshaus statt. Der Landkreis-Chef war sichtlich begeistert. „Oberleiterbach packt an und wappnet sich für die Zukunft“, lobte Kalb. „Das verdient größten Respekt.“

Auch Erster Bürgermeister Volker Dittrich hatte sich Zeit genommen, um beim ersten Besuch des Landrats im ersten Bioenergiedorf des Landkreises dabei zu sein. Er freute sich sichtlich über die lobenden Worte Kalbs.

Seit Jahren ist der Markt Zapfendorf Mitglied der Klimaallianz von Stadt und Landkreis Bamberg. Dass ein kleines Dörfchen aus seinem Amtsgebiet nun eine Vorreiterrolle einnimmt und damit die Gemeinde eine erstklassige Visitenkarte abgibt, ist so recht nach seinem Geschmack.

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Wie kam es zum Bioenergiedorf Oberleiterbach ?

Spatenstich Heizhaus im Juni 2013

Während der Vorbereitungsphase der Dorferneuerung im Jahr 2009 wurde die Idee geboren, für
Oberleiterbach und seine 279 Einwohnern gemeinschaftlich eine zentrale Wärmeversorgung aus
erneuerbaren Energiequellen (Biomasse) zu realisieren. Da im Rahmen der Dorferneuerungsmaßnahmen fast
alle Versorgungsleitungen und Straßen in Oberleiterbach erneuert wurden, bot sich die Verlegung eines
Nahwärmenetzes an. Kostengünstiger konnte eine solche Energieversorgungsinfrastruktur nicht realisiert
werden.

Im Zuge des Projektes konnten die vorhandener Fähigkeiten einzelner Dorfbewohner (z. B. Manager, Techniker, Landwirte, Betriebswirte, Bankfachangestellte) gebündelt und für diese gemeinsame Idee eingesetzt werden. Der damit verbundene vertiefte Dialog zwischen den Beteiligten stärkte die Dorfgemeinschaft und ließ diese stärker zusammenwachsen.

Die Gründung einer Energiegenossenschaft war die logische Schlussfolgerung.
Mit der Wahl einer Genossenschaft als demokratischste
Geschäftsform ist auch für die Zukunft ein gemeinschaftliches
Zusammenwirken zwischen verschiedenen Partnern im Vorstand und
Aufsichtsrat gewährleistet.
Die Projektentwicklung und Konzeptphase zog sich bis ins Jahr 2012. Im
Oktober 2013 ging dann die Wärmeversorgung des Dorfes in Betrieb. Als
erstes Projekt dieser Art in der Region (Landkreis Bamberg) wird von einer im
Dorf errichteten Biogasanlage die Abwärme für ein Nahwärmenetz
entnommen. Komplettiert wird das Nahwärmenetz durch eine Hackschnitzel‐
Heizanlage. Letztere ist unabhängig auch von der als Partner gewonnen
Biogasanlage betreibbar und wurde mit einem hohen Maß an Eigenregie und
in Zusammenarbeit mit den Partnern der Dorferneuerung abgewickelt.

Einheben des Ofens in das Heizhaus im Jahre 2013
Hackschnitzelheizanlage
 
Biogasanlage

Alle zur Verfügung stehendenunbebauten Grundstücke (Innenentwicklung + Bebauungsgebiete) können aufgrund der Netzauslegung am
Nahwärmenetz angeschlossen werden. Durch die Biogasanlage (Einspeisung ins Nahwärmenetz von
1.067.000 kWh) und den Biomasseheizkessel (thermische Leistung von 500 kW) werden in Oberleiterbach
jährlich ca. 60.000 Liter Heizöl und ca. 10.000 kg Flüssiggas eingespart. Mittlerweile sind 52 Prozent der Haushalte in Oberleiterbach an das Nahwärmenetz angeschlossen. Der Jahresverbrauch an Wärme (500.000kW/h) wird zu 66 Prozent aus Biomasse gedeckt und der an Strom (889.000 kW/h) zu 100 Prozent. Die
Umsetzung zum Bioenergiedorf stärkt die Dorfgemeinschaft und erhöht die Identifikation der Einwohner mit
ihrem Ort und der Region. Diese nachhaltige Energieversorgung für unseren Lebensraum, die Stärkung der
regionalen Wirtschaftskreisläufe und eine regenerative dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand hat eine
große Außenwirkung und Vorbildfunktion für andere Ortschaften.

Verschiedene nationale und internationale Besucher, z.B. aus Angola und China, besichtigten das Nahwärmenetz und die Biogasanlage in Oberleiterbach. Nebenstehend Bilder des jüngsten Besuches einer chinesischen Delegation vom Juni 2016.

Die EGO ist im Genossenschaftsmagazin vertreten.....

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