Wetter Oberleiterbach

Oberleiterbach beim Landesentscheid

Erzbischof Ludwig Schick hält den Festgottesdienst

500 Jahre Laurentiuskirche: Bürgermeister sticht Jubiläumsbier an – „löschBAR“ und Schmankerln

Wer Erzbischof Ludwig Schick als Gast in seinem Dorf begrüßen darf, für den ist das eine ganz besondere Ehre. „Weil’s bei euch so schön ist, komme ich im September gleich noch einmal“, sagte seine Exzellenz Ende April, als er in der frisch renovierten, genau 500 Jahre alten Filialkirche „Sankt Laurentius“ Oberleiterbach den neu geschaffenen Altar weihte. Am Sonntag, 3. September, ist es nun soweit: Erzbischof Schick kommt erneut nach Lätterboch, um den Festgottesdienst zur Kirchweih zu zelebrieren.

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Das weltliche Programm, zu dem in diesem Jahr Freiwillige Feuerwehr und Kirchenverwaltung gemeinsam einladen, beginnt bereits am Freitag, 1. September: Ab 18 Uhr sorgt das Team um Vorsitzenden Philipp Kunzelmann und Kommandant Benedikt Hennemann für das leibliche Wohl der Gäste am Gemeinschaftshaus im Eichenweg. Die Spezialitäten des Tages sind die deftige Schlachtplatte und zarte Knöchla. Darüber hinaus gibt es ofenfrische Pizzen und Leckeres vom Grill.

Für das Jubiläum „500 Jahre Sankt-Laurentius-Kirche“ haben die Oberleiterbacher nicht nur ein über das ganze Jahr verteiltes Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt, sondern mit dem süffigen „Lätterbocher Sankt-Laurentius-Bier“ auch ein eigenes Festbier einbrauen lassen. Natürlich kommt es, wie weitere Getränkespezialitäten der Merkendorfer Hummel-Bräu, an den Kirchweihtagen zum Ausschank. Darüber hinaus sticht Zapfendorfs Erster Bürgermeister Volker Dittrich am Festfreitag um 18 Uhr ein Fass Jubiläumsbier an.

„Happy Hour“ an beiden Tagen

Der Kerwa würde etwas fehlen, gäbe es die „löschBAR“ nicht. Doch keine Sorge: Am Freitag und Montag herrscht Barbetrieb mit Drinks, Longdrinks und guter Laune. Sparfüchsen sei die „Happy Hour“ an genannten Tagen von 20 bis 21 Uhr ans Herz gelegt.

Am Sonntag, 3. September, ist um 9.15 Uhr Kirchenparade vom Gemeinschaftshaus zur Laurentiuskirche, wo eine Viertelstunde später der Festgottesdienst mit dem Erzbischof beginnt. Danach geht es zurück in den Eichenweg und zünftig fränkisch weiter: Die Rother Musikanten spielen zum Frühschoppen auf. Außerdem heißt es Radio einschalten: Um 12 Uhr sendet der Bayerische Rundfunk das Mittagsläuten aus dem 279-Einwohner-Dorf im Markt Zapfendorf. Anschließend ist der Mittagstisch reich gedeckt. Nachmittags klingt der Kerwasonntag bei Kaffee und Kuchen aus.

Rother Musikanten spielen auf

Der Montag, 4. September, ist der Haupttag der (weltlichen) Kirchweih. Ab 16 Uhr gibt es die bekannten hausgemachten Pfannenschnitzel. Darüber hinaus empfiehlt das Küchen-Team knusprig-zarte Schäuferla und Haxen, leckeren Pizzen und fränkische Spezialitäten frisch vom Grillrost. Beim Torwandschießen könnten kleine wie etwas größere Kicker ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen, Toben und Tollen ist darüber hinaus auf der Hüpfburg möglich. Bereits erwähnte „löschBAR“ öffnet ab 20 Uhr ihre Tore.

Seit diesem Jahr ist das im Jahr 1221 erstmals erwähnte Oberleiterbach offiziell eines der schönsten Dörfer Oberfrankens: Die Bezirkskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ war voll des Lobes aufgrund des Engagements der Lätterbocher und ihrer vielen tollen Projekte. Wer zur Kerwa in das erste und einzige Bioenergiedorf des Landkreises kommt, sollte einen Spaziergang durch den schmucken Ort mit all seinen Baudenkmälern nicht versäumen. Um den Besuchern die Sehenswürdigkeiten des Dorfes näher zu bringen, haben die Oberleiterbacher einen Historischen Dorfrundgang mit QR-Code ins Leben gerufen, dessen Start und Ziel am Gemeinschaftshaus ist. Auf Tafeln erfahren Interessenten das Wichtige über die Bauwerke und ihre Geschichte, durch Scannen der QR-Matrix gibt es weitere Details und Fotos. Umfassende Infos über Ort und Vereinsleben bietet darüber hinaus die neu geschaffene Homepage www.oberleiterbach.de.

Selbstverständlich ist auch die barocke Sankt-Laurentius-Kirche Teil des Spaziergangs in die Geschichte. Monatelang wurde sie im Vorfeld ihres „Geburtstags“ aufwändig renoviert. Kirchenpfleger Ludwig Hennemann und Mesnerin Beate Metzner sind sehr stolz auf das Ergebnis: Die Fachfirmen aus der Region haben sehr gute Arbeit geleistet. Schon alleine deshalb empfiehlt sich ein Blick in das barocke Gotteshaus, zu dessen Füßen der berühmteste Sohn des Ortes seine letzte Ruhe fand: Einsiedler Ivo Hennemann, der dank Joseph Victor von Scheffels „Wohlauf die Luft“ deutschlandweit bekannt wurde.  Martina Drossel

Trutzig und mit welscher Haube

Über die 500 Jahre alte Sankt-Laurentius-Kirche Oberleiterbach

Als die heutige Kirche „Sankt Laurentius“ 1517 feierlich konsekriert wurde, gehörten die Oberleiterbacher Katholiken noch zur Pfarrei Ebensfeld. Als 1625 im nahen Kleukheim eine Pfarrei entstand, baten die Lätterbocher wenig später, dieser zugeteilt zu werden. 1654 erfüllte der Bamberger Bischof ihren Wunsch. Doch bereits 1698, als Kirchschletten von der Pfarrei Zapfendorf abgetrennt wurde, kamen die Oberleiterbacher zu dieser neuen Pfarrei.

 Es gibt Belege dafür, dass das heutige, trutzig wirkende Gotteshaus nicht das erste an dieser Stelle ist. So wurde 1489/90 eine „kirchmawer“ erwähnt, was auf einen Vorgängerbau schließen lässt. Im Gewölbe des Chors der Laurentiuskirche jedenfalls ist das Jahr 1517 für die Nachwelt erhalten geblieben, dazu ein nicht identifizierbares Stifterwappen. Der Erbauer des (Bad) Staffelsteiner Rathauses, der in Kaider geborene und in Stübig ansässige Adam Kuntzelmann, fertigte im Jahr 1681 die charakteristische welsche Haube.

Steine aus den Hassbergen

Das Alter des Langhauses ist ungewiss. Überliefert ist jedoch, dass es 1681 erweitert wurde, unter Verwendung der Mauern. Die Steine hierfür kamen aus den immerhin 23 beziehungsweise 24 Kilometer entfernten Brüchen von Neubrunn in den Hassbergen.

Aus der mittelalterlichen Kirche hat sich bis in die heutige Zeit nur noch Sakramentsnische erhalten, darüber hinaus gibt es in der Sakristei einen spätgotischen Schrank. Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1602. Für den Hochaltar zeichnete der Bamberger Bildhauer Johann Samuel Koch verantwortlich. Vertraglich wurde genau festgelegt: „in der miten heyl. Lauerensius, in der linckhen Hand ein Rost, und in der rechten Hand einen Balmzweig haltent“, fünf Schuh hoch, „auf den beiden Seiten Petterum und Paulum“. Außerdem: „Die gewundenen Säulen mit wein Trauben und laub umwunden und gezieret“. Nach zweieinhalb Jahren wurde der Altar im August 1686 aufgestellt und erst neun Jahre später farblich gefasst. 1724 erhielt „Sankt Laurentius“ eine erste Orgel.

Als Friedrich Theiler 1795 einen Drehtabernakel in den Hochaltar einbaute, war kein Platz mehr für den nun zu großen heiligen Laurentius. Der Künstler schuf eine kleinere Figur, die bisherige Statue kam über das Portal und steht seit 1997 im Langhaus.                           Martina Drossel

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Heiterkeit trotzt Hagelattacken

Dorffest trotz Wetterkapriolen ein großer Erfolg – Erstmals zwei Kapellen

OBERLEITERBACH   Ob Petrus das „Bett im Kornfeld“ mit einem Wasserbett verwechselt hatte? – Jedenfalls öffnete der Himmel alle Schleusen, als das Trio „Mainfieber light“ auf dem Festplatz am Gemeinschaftshaus die Gäste des Dorffests mit dem Gassenhauer verwöhnen wollte. Insgesamt regnete, blitzte und hagelte es an Mariä Himmelfahrt im Golddorf mehr als nur einmal richtig heftig – und trotzdem fiel das Fest dadurch nicht ins Wasser. Ganz im Gegenteil.

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Das Dorffest, bei dem der ausrichtende Soldaten- und Kameradschaftsverein von weiten Teilen der Dorfbevölkerung unterstützt wurde, fand heuer zum 40. Mal statt. Das nahmen die Organisatoren zum Anlass, den Nachmittag mit feiner böhmisch-mährischer Blasmusik zu eröffnen: „Dieter und seine Musikanten“ spielten fulminante Märsche und bekannte Polkas, streuten einige Gesangsparts ein und ließen sogar Showeinlagen nicht vermissen – beispielsweise, als Trommler Helmut die Kochmütze aufstreifte und die Löffelpolka mit Küchenutensilien  zelebrierte.

Danach gab es ein Wunschkonzert, bei dem nahezu alle Gästewünsche erfüllt wurden. Und den krönenden Abschluss bildete, wie sollte es anders sein, der „Böhmische Traum“, bei dem so mancher Musiker auf Wanderschaft ging. Die über 1000 Besucher waren begeistert, der lange Applaus war der schönste Lohn. Die Hüpfburg war zu diesem Zeitpunkt stark frequentiert, selbst ein Spielwarenhändler war in diesem Jahr vor Ort und für das leibliche Wohl war sowieso bestens gesorgt: Das Dorffest hatte zweifelsohne Volksfestcharakter.

Nahtlos ging es mit „Mainfieber light“ auf der zweiten Bühne weiter: Mit „Du schaffst das schon“, „17 Jahr blondes Haar“ und anderen Lieblingsliedern der Zuhörer brachten Jürgen und Bernd Donath sowie Hubert Wolf ihr Publikum auf Betriebstemperatur. Bis zum besagten „Bett in Kornfeld“, als urplötzlich Hagelkörner so groß wie Euromünzen auf die Köpfe prasselten und der Festplatz von jetzt auf gleich unter Wasser stand. Fluchtartig suchten die Besucher ein Plätzchen im Trockenen, 20 Minuten später war der Spuk schon wieder vorbei – und die zahlreich gebliebenen Gäste feierten weiter, als ob nichts gewesen wäre. Viermal sollte es an diesem Abend gewittern und stürmen, und trotzdem ließen sich einige Besucher des Dorffests erst in den frühen Morgenstunden „vertreiben“. Zu diesem Zeitpunkt waren die Essenstheken schon längst ratzeputz leergefegt.    Martina Drossel

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27.07.17 - SKV - Blasmusik und Partyhits an Mariä Himmelfahrt

„Dieter und seine Musikanten“ und „Mainfieber light“ spielen beim Dorffest

OBERLEITERBACH Weit ausladende Bäume, zünftige Blasmusik am Nachmittag und Gute-Laune-Hits am Abend, ein direkt angrenzender Spielplatz sowie Speisen und Getränke zu familienfreundlichen Preisen: Es gibt viele gute Gründe, am Feiertag Mariä Himmelfahrt das Dorffest in Oberleiterbach, einem der schönsten Dörfer in Oberfranken, zu besuchen. Heuer veranstaltet der Soldaten- und Kameradschaftsverein die bekannte und beliebte Feier zum 40. Mal – und deswegen gibt es ab 14 Uhr gleich zwei Musikkapellen.

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Erstmals spielen „Dieter und seine Musikanten“ auf dem Platz zwischen Gemeinschaftshaus und Spielplatz auf. Die 25 Musiker um Dirigent Dieter Zapf haben sich vorgenommen, Lätterboch und seine Gäste mit der traditionellen böhmisch-mährischen  Blasmusik zu begeistern. Das Ensemble ist ein Zusammenschuss aus Aktiven von heimischen Kapellen. Den Gast erwarten Gesang und Unterhaltung, gewürzt mit einer Prise Witz – und ganz viel Spielfreude.

Am frühen Abend entern die beliebten Entertainer von „Mainfieber light“ die Bühne am idyllischen Festplatz. Die Unterhaltungsprofis haben für ihre für ihre Freunde wieder ein Feuerwerk an Schunkelhits, Gute-Laune-Songs und Gassenhauern im Gepäck. Dann heißt es unterhaken, tanzen, mitsingen und feiern bis in die Nacht hinein. Bernd und Jürgen Donath sowie Hubert „Pfloggy“ Wolf verwöhnen mit einem kunterbunten Strauß an beliebten Melodien.

Kids können beim Dorffest, fernab von nervigem Autoverkehr, auf dem großzügigen Spielplatz nach Herzenslust toben und tollen, während Erwachsene der Musik frönen und die leckeren Speisen sowie die Getränkespezialitäten der Merkendorfer Brauerei Hummel genießen. Die Maß Bier kostet nur günstige 4,50 Euro.

 

Ab 14 Uhr haben die Helfer beim Dorffest die Kaffeetafel am Festplatz am Eichenweg reich gedeckt. Gäste freuen sich auf hausgebackene Torten und Kuchen, selbst gemachten weißen Käs‘ und Gerupften, Bismarck- und Lachsbrötchen, ofenfrische Pizzen, Hausmacher-Bratwürste und Steaks sowie ab 16 Uhr auf kalten Braten zu herzhaftem Bauernbrot. Abends öffnet die Bar ihre Tore. Der Festplatz ist ab der Ortsmitte bestens ausgeschildert. Parken können Gäste in unmittelbarer Nähe des Dorffests. Weitere Informationen rund um das Goldmedaillendorf, seine Baudenkmäler und die emsigen Vereine gibt es im Internet unter www.oberleiterbach.de.             

Martina Drossel

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Dieter und seine Musikanten

25.07.17 - Von Weinbau, Frondienst und Seelenheil

Dr. Thomas Gunzelmann referiert über ehemals michelsbergisches Klosterdorf

OBERLEITERBACH   Chronisten schreiben das Jahr des Herrn 1221. Franz von Assisi stellt die (zweite) Ordensregel der Franziskaner auf. Nach einen Großfeuer lässt Bischof Ekbert Graf von Andechs-Meranien gerade den zweiten Bamberger Dom errichten. Und Heinrich von Schletten fürchtet um sein Seelenheil, verzichtet zugunsten des Klosters Michelsberg auf die Vogtei „Leiterbach“, mit der er einst vom Abt gelehnt wurde. Er ist die erste gesicherte Quelle, in der das Dörfchen Oberleiterbach einen Platz in der Geschichte findet.

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„Man darf jedoch davon ausgehen, dass der Ort noch viel älter ist“, erläuterte Dr. Thomas Gunzelmann, stellvertretender Referatsleiter Siedlungs- und Kulturlandschaftsdokumentation am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, im voll besetzten großen Saal des Gemeinschaftshauses seinen interessierten Zuhörern. Wie alt genau, das sei schwierig zu sagen, sei doch die Unterscheidung Unterleiterbach und Oberleiterbach erst eine aus der jüngeren Zeit. Früher habe man schlicht von „Leiterbach“ gesprochen, bereits um 800 sei ein solches erwähnt – jedoch sei davon auszugehen, dass es sich um Unterleiterbach handelte. „Ich vermute, dass es den Ort schon in karolingischer Zeit gab, wohl um 900 oder 1000.“ Schriftliche Nachweise aber gibt es keine. Dafür gibt es selbst aus der Eisenzeit menschliche Spuren rund um Oberleiterbach: Im Flurstück Hagenbüchlein Richtung Kleukheim und am Kohlanger Richtung Unterleiterbach sind Hügelgräber zu finden, die aus der Hallstadt- und frühen Latène-Zeit stammen dürften.

Name wohl von „Leite“

Doch was bedeutet er, der Ortsname Oberleiterbach? – Gunzelmann fußte diesbezüglich auf den Forschungsergebnissen von Dr. Dorothea Fastnacht zurück. Die wahrscheinlichste Deutung sei, dass es er von „Leite“, also dem fränkischen Begriff eines steilen Hangs, stamme. Oberleiterbach sei schließlich von fast allen Seiten von Anstiegen umgeben.

Im Mittelalter war die Geschichte Oberleiterbachs untrennbar mit der des Klosters Michelsberg in Bamberg verbunden, das der erste Bamberger Bischof Eberhardt 1015 gründen ließ. In Oberleiterbach stand einer der 13 Haupthöfe (principalia curtis). Dieser war so wichtig, dass sogar, wie im Mittelalter üblich, Urkunden gefälscht, also zurückdatiert wurden. Die bäuerlichen Untertanen hatten Abgaben und Frondienste an den Grundherren. Geleitet wurde das System vom auf dem Klosterhof ansässigen Meier, der im Obermainraum meist Hofmann genannt wurde. Ab 1366 wurde der Klosterhof (heute Laurentiusring 4 und 8) verpachtet und später auf Erbrecht verliehen. Abgaben an den Grundherrn waren aber natürlich weiter zu leisten: Bischof, Kloster und die Kirche selbst wollten entlohnt sein. Damit das auch klappte und notfalls Recht durchgesetzt werden konnte, wurden Vögte eingesetzt. Und über dieses Amt kamen auch die Marschalke von Kunstat (später Ebneth) zu Jahrhunderte währenden Besitzungen in Oberleiterbach.

Vier Käse zu Pfingsten

Dank einer vorzüglichen klösterlichen Buchführung lässt sich nachvollziehen, dass in „Obernleiterpach“ 1323/28 neun Bauern Zinsen von einer Hube (mansum) und drei weitere von einem Lehen (feudum) entrichteten. Die Abgaben waren nicht wenig, aber doch erträglich, wie Dr. Gunzelmann am konkreten Beispiel aufzeigte. In den Quellen heißt es: „Heinrich Hornung von einer Hube steuert an Walpurgis (1. Mai) und an Martini (11. November) jeweils ein Pfund Denare (Pfennige), außerdem 2 Sümmer Korn (ca. 600 l), an nativitas (Weihnachten) 2 Hühner; an carnisprivum (Fassnacht) 1 Huhn, an pascha (Ostern) 60 Eier, an pentecoste (Pfingsten) 4 Käse.“ Elf Huben – große Ackerflächen –  ließ das Kloster bewirtschaften, die später in immer kleinere Teile zerbrochen wurde. Das Dorf wuchs – und die Oberleiterbacher brauchten Broterwerb. Die Selden (Sölden) entstanden.

Bedeutend war nicht nur der Klosterhof: Oberleiterbach war mit seinen 25 Weingärten nördlich des Dorfes im Spätmittelalter auch ein bedeutsamer Weinbauort für das Kloster (montis monachorum). Der Rückgang des Weinbaus setzte um 1560 mit der sogenannten kleinen Eiszeit ein, der 30-jährige Krieg tat sein übrigens. Jedoch lasse sich noch 1801 ein Lätterbocher Weinberg in Oberleiterbach nachweisen, der damals dem Kloster Banz lehenbar war, so der Fachmann.

Bis zur Säkularisation

„Am Ende des Alten Reichs gehörte Obereiterbach zum Hochstift Bamberg, dessen Amt Lichtenfels die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit ausübte und Steuern, also Abgaben an den Landesherrn, einzog“, erklärte Dr. Thomas Gunzelmann. Das Kloster Michelsberg prägte noch immer, als mit Abstand größter Grundherr, die Geschehnisse im Ort. Und Lätterbach war ein vergleichsweise wohlhabendes Bauerndorf. „Handwerker gab es nur, soweit sie der Versorgung der Landwirtschaft dienten.“ Ein Zimmermeister, ein Schuhmacher, zwei Weber und ein Schmied gingen ihrer Arbeit nach, außerdem gab es zwei Wirte – und einige Einwohner betrieben gemeinsam ein Brauhaus. Bereits im 18. Jahrhundert gab es eine Schule. „Mit dem Übergang des Hochstifts Bamberg an Bayern im Jahr 1802 und damit auch der Aufhebung des Klosters Michelsberg ging die jahrhundertealte wesentliche Einflussnahme des Klosters auf das Dorf zu Ende“, führte der Fachmann aus.

Während sich die Bevölkerungsentwicklung in den zurückliegenden Jahrhunderten kaum veränderte, von den Auswirkungen des Krieges einmal abgesehen, so gebe es erst in jüngerer Zeit eine leichte siedlungsmäßige Aufwärtsentwicklung. Einher ging die Stagnation der Landwirtschaft, Oberleiterbach wurde Wohnstandort. „Bei den erheblichen Qualitäten des Ortsbildes und des Landschaftsbildes muss man sich allerdings für die Zukunft eine sehr sensible Planung wünschen“, schloss Dr. Thomas Gunzelmann seine Ausführungen.

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Das Wichtigste des Dorfes auf einen Blick

 

Gartenbauverein stellt Ortsinfotafel auf – Raiffeisen-Volksbank zahlt mit

Von unserer Mitarbeiterin

MARTINA DROSSEL

OBERLEITERBACH 796 Jahre ist es her, dass die Geschichtsschreiber zum ersten Mal den michelsbergischen Klosterhof zu „Leiderbach“ erwähnten. In den vergangen fast acht Jahrhunderten erlebte der Ort, der einst zum Landkreis Staffelstein gehörte und heute Teil des Marktes Zapfendorf ist, eine wechselvolle Geschichte mit etlichen Höhepunkten, aber auch den ein oder anderen Einschnitt, beispielsweise im 30-jährigen Krieg. Der Gartenbauverein hat die wichtigsten Eckpunkte der Historie des Ortes auf einer attraktiven Informationstafel zusammengetragen. Diese wurde jüngst an der Leiterbachbrücke an der Kleukheimer Straße aufgestellt.

Bioenergiedorf, die kunstvoll konstruierte Welsche Haube von „Sankt Laurentius“, Fachwerkpracht und Weinanbau: Die Ortsinfotafel bietet dem Wanderer, Radler, Pilger oder Heimatfreund grundlegende Informationen in gebotener Kürze, garniert von aussagekräftigen Bildern der Lätterbocher Schönheiten. Natürlich werden auch das Leben und Wirken von Einsiedler Ivo Hennemann beleuchtet und die wiederkehrenden Feste des Dorfes thematisiert.

Eine großzügige Spende in Höhe von 1000 Euro der Raiffeisen-Volksbank Bamberg ermöglichte das Erstellen der übermannshohen Ortsinfotafel, auch der Markt Zapfendorf beteiligt sich finanziell. Ihr genau gegenüber auf der anderen Straßenseite hängt seit kurzem eine weitere Tafel, die auf den Jakobusweg hinweist. Und wer Details über das Bioenergiedorf und die Vorteile der nachhaltigen Energiewirtschaft wissen möchte, wird darüber am Gemeinschaftshaus informiert, wo die Energiegenossenschaft Oberleiterbach (EGO) eine weitere Tafel installierte. Dort startet auch der Historische Dorfrundgang mit QR-Code, den die Oberleiterbacher jüngst fertigstellten.

Weitere Informationen rund um Oberleiterbach, seine Vereine und deren Feste finden Interessenten auf der jüngst geschaffenen Homepage www.oberleiterbach.de

 

Direkt am Leiterbach: Mitglieder des Gartenbauvereins installieren die attraktive Ortsinformationstafel an der Kreuzung Kleukheimer Straße/Leuchtersbrunnen. FOTO: MARTINA DROSSEL

Bericht Kommissionsbesuch ist Online

Zum Artikel auf Obermain.de

14.07.17 - Die Zeitreise durch Lätterboch kann beginnen

Tafeln des Historischen Dorfrundgangs mit QR-Code stehen – Bezirkskommission kommt

OBERLEITERBACH Am Dienstag, 18. Juni, besucht die Bezirkskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“ das 279-Einwohner-Dorf Oberleiterbach. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um das sowieso schon sehr schmucke Dorf im Markt Zapfendorf ganz besonders herauszuputzen. Eines der zeitaufwändigsten Projekte ist dabei der Historische Dorfrundgang mit QR-Code, der nun vor der Vollendung steht.

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Insgesamt wurden dafür im Dorf 29 Tafeln vor den Baudenkmälern aufgestellt. Start des Historischen Dorfrundgangs ist am Gemeinschaftshaus am Eichenweg. „Auf den Tafeln können Geschichtsfreunde das wichtigste zum Entstehungsjahr und zur Bauform lesen. Außerdem haben wir für viele unserer Sehenswürdigkeiten tolle alte Fotos erhalten“, erklären Philipp Kunzelmann und Markus Drossel, die Hauptorganisatoren. „Wer dann den QR-Code mit dem Mobiltelefon oder Tablet einliest, bekommt weiterführende Informationen, beispielsweise zu Hausnamen, früheren Besitzern – und oftmals eine ganze Reihe an Bildern aus früheren Jahren und Jahrzehnten.“

Schweizerhausstil

Der Geschichtsfreund erfährt von Häuser in Schweizer- und Heimatschutzstil, von Klostergütern und einem Dreiseithof wie aus dem Musterbuch, von aufwändigen Martern, von Missionar Pater Laurentius und dem berühmtesten Sohn des Dorfes: von (Johann) Ivo Hennemann, dem Eremiten des Staffelbergs, dem Joseph Victor von Scheffel ein klingendes Denkmal schuf. Das Konterfei des Einsiedelmanns ziert auch die Tafeln des Historischen Dorfrundgangs.

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„Durch die Verbindung von Tradition und Moderne,

von klassischem Lesen und zeitgemäßen Medien,

dürfte er für viele Altersklassen interessant sein.“

Philipp Kunzelmann und Markus Drossel,

Projektverantwortliche

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Die Daten zum Historischen Dorfrundgang sind auch auf der neu geschaffenen Homepage www.oberleiterbach.de zu finden, die in den vergangenen Monaten aufgebaut wurde. „Natürlich ist auf der Internetseite noch nicht alles perfekt. Eine Homepage entwickelt sich stets weiter. Aber schon heute finden Interessenten hier Grundlegendes über den Ort, über unser reges Vereinsleben, über Feste und Feiern – und über die Geschichte unseres einst michelsbergischen Klosterdorfs.“

 „Wir sind schon ein wenig stolz, dass wir aus der Bevölkerung so viele aussagekräftige Fotos bekommen haben“, sagen Kunzelmann und Drossel. „Es ist schon interessant, wie sich das Dorf in den vergangenen Jahrzehnten und auch Jahrhunderten entwickelt hat.“ Auch die Ständer, die die Tafeln vor den Objekten präsentieren, sind „made in Oberleiterbach“: Leonhard Eberth und Nikolaus Kunzelmann bauten sie für das Projekt. Georg Amon half zudem bei der Recherche.

Nicht nur für den Bezirksentscheid

„Wir hoffen, dass der Historische Rundweg mit QR-Code von vielen Interessenten genutzt wird. Durch die Verbindung von Tradition und Moderne, von klassischem Lesen und zeitgemäßen Medien, dürfte er für viele Altersklassen interessant sein. Er wurde natürlich nicht nur für den Bezirksentscheid geschaffen, sondern soll, geht es nach uns, möglichst lange bestehen bleiben.“ Der Historische Dorfrundgang mit QR-Code konnte dank einer 750-Euro-Spende der Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein realisiert werden und aufgrund der Zusage von Erstem Bürgermeister Volker Dittrich, dass die Marktgemeinde Zapfendorf das Projekt finanziell unterstützt.

Von Martina Drossel

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Fleißiger Helfer im Einsatz - Nikolaus Kunzelmann montiert im Hintergrund eine Tafel für den Historischen Rundgang FOTO: Martina Drossel

09.07.17 - Schießgruppe - Gerhard Senger holt sich den Wanderpokal

Preisverteilung der Schießgruppe im Soldaten- und Kameradschaftsvereins

OBERLEITERBACH   Die Freude stand Schießwart Stephan Metzner ins Gesicht geschrieben: Rund die Hälfte der Mitglieder der Schießgruppe im Soldaten- und Kameradschaftsverein hatte sich in diesem Jahr an den Wettkämpfen um Pokale und Wanderpokal beteiligt. „Ich wüsste nicht, wann das jemals so war“, sagte er stolz. Auch heuer hatte er sich wieder Besonderheiten einfallen lassen:

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Der Schuss um den Wanderpokal wurde mit einer Winchester abgegeben, was viele Schützen vor eine große Herausforderung stellte.

Im Gemeinschaftshaus fand im Rahmen einer Brotzeit die Ehrung der Sieger statt. Beim Kleinkaliberschießen an der Schießanlage am „Wolfsanger“ durften fünf Schuss auf die 50 Meter entfernte Zielscheibe abgegeben werden. Die Ergebnisse waren so knapp, dass oftmals das Stechen entscheiden musste. Schießwart Metzner freute sich über eine hohe Beteiligung an allen Schießtagen und hatte acht Pokale auszureichen. Mit 45 Ringen das beste Ergebnis erreichte der Oberleiterbacher Thomas Hennemann, gefolgt von Stephan Metzner (43 Ringe), Franz Hennemann (43), Heinrich Gehringer (42) und Alfons Hennemann (41).

Wer den opulenten Wanderpokal ergattern wollte, musste mit dem ungewohnten Repetiergewehr erst einmal auf eine Entfernung von 25 Metern treffen. Bei der 36. Auflage des Pokalschießens gelang dies dem 2. Vorsitzenden des Soldaten- und Kameradschaftsvereins, Gerhard Senger am besten, gefolgt von Leonhard Eberth und Franz Hennemann auf den Plätzen zwei und drei.

Namens des Soldaten- und Kameradschaftsvereins gratulierte Georg Seelmann den Gewinnern der Pokale und dankte dem Organisatoren-Team um Stephan Metzner: Alles habe mal wieder sehr gut geklappt. Er wies zudem auf den nächsten Höhepunkt des Veranstaltungsjahres hin: Am Feiertag Mariä Himmelfahrt (15. August) richtet der Soldaten- und Kameradschaftsverein auf dem Festplatz am Gemeinschaftshaus das Dorffest aus. Kurzweilige Unterhaltung garantiert das Trio „Mainfieber light“ aus Bad Staffelstein mit Schlager- und Stimmungsmusik und, erstmalig sozusagen als Warm-up, auch „Dieter und seine Musikanten“, für das leibliche Wohl zu familienfreundlichen Preisen ist bestens gesorgt. Schießwart Metzner versprach danach, sich auch für das kommende Pokalschießen wieder eine Besonderheit beim Schuss auf die Glücksscheibe einfallen zu lassen.

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Pokalsieger unter sich: (v. li.) Andrea Senger, Franz Hennemann, Stephan Metzner, Thomas Hennemann, Alfons Hennemann, Udo Seelmann, Heinrich Gehringer und Georg Seelmann (SKV). FOTO: MARTINA DROSSEL

Als der Wirt die Kirchenmauer durchbrach

CHW-Exkursion im einst Michelsbergischen Klosterdorfs – Wunderschönes Kirchhoftor

OBERLEITERBACH   War es die Erwartung dreier Koryphäen auf ihrem Gebiet, die die zahlreichen Geschichtsfreunde an diesem Sommerabend nach Oberleiterbach lockte? War es die faszinierende Geschichte eines einst Michelsbergischen Klosterdorfs mit seiner 500-jährigen Kirche, die anspornte? Oder war es einfach die große Freude, endlich mal wieder Geschichte hautnah, und mit Witz und Charme vorgetragen, erleben zu dürfen? – Jedenfalls machten die mehr als 100 Interessenten die Exkursion des Colloquium Historicum Wirsbergense im 279-Einwohner-Dörfchen zu einem großen Erfolg. Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold, Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer und der Vierzehnheiligener Basilikaorganist Georg Hagel verwöhnten sie mit einem faszinierenden Spaziergang bis zurück ins Mittelalter.

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Zunächst gab die Bamberger Kreisheimatpflegerin einen Einblick in die Geschichte des Haufendorfs am Anstieg zur nördlichen Frankenalb, dessen Einwohnerzahl sich in den vergangenen 200 Jahren nahezu nicht veränderte. 1221 wurde „Leiderbach“ in einer Urkunde als einer der 13 Haupthöfe des Klosters Michelsberg genannt, 1323 dann taucht der Name Oberleiterbach im Urbar A des Bistums Bamberg erstmals auf. Der Klosterhof (heute Laurentiusring 4 und 8) diente der Versorgung des Stifts mit landwirtschaftlichen Gütern, so Schäfer. Im späten Mittelalter, in einer Phase der klimatischen Erwärmung, wurde Oberleiterbach ein wichtiger Weinbauort für das Kloster Michelsberg: „Es ist von etwa 25 Weingärten rund um Oberleiterbach die Rede“,  ekrlärte der Fachfrau aus Hirschaid. Als 1560 dann eine kleine Eiszeit einsetzte und alsbald der Dreißigjährige Krieg ausbrach, ging der Weinbau massiv zurück. Und die Bevölkerungszahl Oberleiterbachs brauchte aufgrund der Kriegs bis ins Jahr 1738, um wieder den Stand von vorher zu erreichen.

Als 1803 die Säkularisation begann, wurde der Ort zunächst in das Kurfürstentum und ab 1806 in das junge Königreich Bayern eingegliedert. Erst wurde das Dorf 1804 dem Landgericht Hallstadt zugewiesen, 1813 dann dem Landgericht Lichtenfels, 1841 dem Landgericht Scheßlitz und dann 1862 zum neu errichteten Landgericht Staffelstein, dem späteren Landkreis Staffelstein. Da blieb es bis zur bayerischen Gemeindegebietsreform 1972, als der Landkreis Staffelstein aufgelöst wurde und Oberleiterbach zum Landkreis Bamberg kam.

Beim kleinen Dorfrundgang erläuterte Schäfer die unterschiedlichen Baustile und Bauformen, richtete den Blick auf den Heimatschutzstil des „Neuen Schulhauses“ von 1913, in dem einst bis zu 54 Kinder gleichzeitig unterrichtet wurden, und zeigte andernorts die Schweizerhaus-Elemente an einem Fachwerkbau. Dass die Baustruktur des Ortes an vielen Stellen unverfälscht erhalten blieb, sei ein Glücksfall.

Zurück im von hohen Mauern umschlossenen Kirchhof, der bis 1968/69 als Friedhof diente und durch „das wohl schönste Kirchhoftor weit und breit“ (Dippold) zu erreichen ist, übernahm der Bezirksheimatpfleger. Er wartete gleich mit einem Kuriosum auf: Eigentlich sollte der Kirchhof nur einen Zugang haben. Eigentlich, denn da hatte die Kirche die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Besitzer „von dem ungefähr sechs oder acht Schuhe von der Kirchhofmauer entfernten Wirthshause“ nahm, wie 1827 niedergeschrieben, kurzerhand Steine aus der Mauer, „damit er und seine Gäste je am geschwindesten und unmittelbarsten vom Wirthshause zum Gottesdienst und vom Gottesdienst zum Wirthshause kommen können.“

Der CHW-Chef erklärte, dass der Kirchturm aus dem Jahre 1517 stamme, was die Inschrift des Schlusssteins belege. Einst war der Kirchturm jedoch wohl spitz, die schwierig zu konstruierende Welsche Haube ist ein Werk des Meisters Adam Kuntzelmann aus Stübig, der auch das Rathaus in Staffelstein erbaut hat. Das Langhaus sei grundlegend auch mittelalterlich, doch wurde es 1681 erweitert, unter Verwendung der Mauern.

„Als die Kirche errichtet wurde, gehörte Oberleiterbach zur Pfarrei Ebensfeld, davor vielleicht zu Staffelstein oder Scheßlitz. Es war vermutlich auch nicht die erste Kirche an dieser Stelle, denn bereits 1489/90 wird eine ,kirchmawer‘ erwähnt“, sagte Dippold. Als die Pfarrei Kleukheim entstand, wollten die Oberleiterbacher 1953 dieser zugeteilt werden – schlicht, weil der Fußweg dorthin nur halb so lang ist. Ein Jahr später erfüllte der Bamberger Bischof ihren Wunsch. Nicht mal ein halbes Jahrhundert später, als Kirchschletten von der Pfarrei Zapfendorf abgetrennt und eigenständig wurde, wurde Oberleiterbach diesem halb so großen Ort untergeordnet –„immer krieg und streit, händel“ (Visitationsprotokoll 1751) waren programmiert.

Von der mittelalterlichen Kirche ist im Innern nicht mehr viel erhalten geblieben, wohl aber die typische Sakramentsnische, wie der Bezirksheimatpfleger aufzeigte. Bildhauer Johann Samuel Koch fertigte 1686 den Hochaltar, ursprünglich mit einem fünf Schuh hohen „heyl. Lauerensius, in der linckhen Hand ein Rost, und in der rechten Hand einen Balmzweig haltent“. Als jedoch der Hochaltar 1975 durch ein ausladenden Drehtabernakel ergänzt wurde, war kein Platz mehr für den schulkindgroßen Heiligen – ein kleinerer Ersatz musste her, der „alte“ Heilige wurde etwas seiner Haare beraubt , über der südlichen Kirchentür positioniert und später wieder in die Kirche geholt, wo er heute die Flanke ziert.

1724 erhielt die Oberleiterbacher Kirche nachweislich eine Orgel, laut Professor Dippold vermutlich die erste. Das heutige, pneumatisch betriebene Instrument im Stile der Romantik stammt aus dem Jahr 1903, vom Orgelmeister Johann Wolf aus Bayreuth – einem gebürtigen Oberleiterbacher. Basilikaorganist Georg Hagel ließ die hunderte Pfeifen aus Holz und Metall in ihren schönsten Klangfarben erschallen. Zwar sei die Orgel nicht für opulente Bach-Werke ausgelegt, dennoch klanglich ein sehr schönes Instrument.

Gut zwei Stunden dauerte die kurzweilige Zeitreise des Colloquium Historicum Wirsbergense. Dabei durfte ein Exkurs zum berühmtesten Sohn des Ortes und seinerzeit „lebenden Scheffel-Denkmal“ (Dippold), zum Einsiedler (Johann) Ivo Hennemann, nicht fehlen. Als der badische Dichter ihm eine Passage in seinem Gedicht „Wohlauf, die Luft“ widmete, wurde auch der Oberleiterbacher Einsiedelmann eine Berühmtheit – und der Tourismus auf dem Staffelberg boomte. Dass die dortige Adelgundiskapelle einen Turm erhielt und die Klause durch einen Bau aus Stein ersetzt wurde, war Ivos Verdienst – und letztlich Vermächtnis. Die über 100 Geschichtsfreunde lauschten andächtig und goutierten die hervorragenden Darbietungen des Trios mit schallendem Applaus. Bei einigen Gläschen „Lätterbocher“, dem Jubiläumsbier zum 500-Jährigen der Kirche, wurden die Eindrücke abschließend vertieft.

 

 

 

Die Bamberger Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer führte über 100 Exkursionsteilnehmer durch den Ort. FOTO: MARTINA DROSSEL

 

 

Vor und in „Sankt Laurentius“ wusste Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold von so manchem Kuriosum zu berichten. FOTO: MARTINA DROSSEL

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Bürgerenergiepreis 2017 gestartet

Bayernwerk und Regierung von Oberfranken suchen wieder beispielgebende Projekte für die Energiewende

Der Auftakt zum diesjährigen Bürgerenergiepreis fand am Dienstag (30. Mai) in Oberleiterbach im Landkreis Bamberg statt. Christoph Henzel von der Bayernwerk AG und Abteilungsdirektorin Dr. Corinna Boerner von der Regierung von Oberfranken stellten den Wettbewerb vor. Gastgeber war diesmal die Energiegenossenschaft Oberleiterbach, die mit ihrem Projekt „Bioenergiedorf“ unter den drei Vorjahrespreisträgern waren.

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Der Auftakt zum diesjährigen Bürgerenergiepreis fand am Dienstag (30. Mai) in Oberleiterbach im Landkreis Bamberg statt. Christoph Henzel von der Bayernwerk AG und Abteilungsdirektorin Dr. Corinna Boerner von der Regierung von Oberfranken stellten den Wettbewerb vor. Gastgeber war diesmal die Energiegenossenschaft Oberleiterbach, die mit ihrem Projekt „Bioenergiedorf“ unter den drei Vorjahrespreisträgern waren.

 

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Die Ehrengäste mit allen Beteiligten aus Oberleiterbach

01.04.17 - GBV - Jahreshauptversammlung Gartenbauverein

Mit Hacke und Spaten für das Ortsbild
Gartenbauverein investiert Muskelkraft und Geld in Dorfverschönerung – Jahresversammlung

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Von MARTINA DROSSEL
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OBERLEITERBACH Die Hürde Kreisentscheid
hat das kleine Oberleiterbach
ganz locker übersprungen und sich mal
eben als eines der schönsten Dörfer im
großen Landkreis Bamberg präsentiert.
Seit dem „Gold“ auf Kreisebene im Juli
vergangenen Jahres allerdings gab und
gibt es jede Menge zu tun, vor allem für
den federführenden Obst- und Gartenbauverein.

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Bayernwerk und Regierung von Oberfranken suchen wieder beispielgebende Projekte für die Energiewende

Das Video zum Bürgerenergiepreis ist online auf You Tube

18.04.17 - Dorfjugend -Knatternd durch das Bundesgolddorf

OBERLEITERBACH 
„Wir rufen den Englischen Gruß“, schallte es am Abend des Gründonnerstags erstmals durch die Straßen des Dorfs. 
15 Kinder und Jugendliche waren dann am Karfreitag und –Samstag jeweils frühmorgens, mittags und abends unterwegs, 
um durch ihr Raspeln das Geläut der Glocken von „Sankt Laurentius“ zu ersetzen, die wegen des Sterben und Leiden Jesu nach Rom geflogen waren. 
Zum Dank und als Lohn ihrer Mühen bekamen sie von den Bewohnern des Dorfes Eier und andere kleine Geschenke. TEXT/FOTO: MARTINA DROSSEL

02.04.17-News - Delegation von BUND Naturschutz besucht Oberleiterbach

OBERLEITERBACH

Es ist acht Jahre her, als mehrere, an einer Energiewende begeisterte Bürger mit dem Aufruf „Macht alle mit“ in einem „Energierundbrief“ die Mitbewohner des 276-Seelen-Orts motivierten, gemeinsam das Projekt dörfliches Nahwärmenetz auf die Beine zu stellen. Die Zeit war günstig, standen doch Wasserleitungssanierung und Dorferneuerung ins Haus. Mittlerweile ist Oberleiterbach das erste und einzige Bioenergiedorf im Landkreis – und dort blickten Interessenten der Kreisgruppedes Bund Naturschutz Lichtenfels jüngst
hinter die Kulissen.

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Reiner Zapf-Willmer, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Oberleiterbach
(EGO), führte die zahlreichen Exkursionsteilnehmer um BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt durch das Bundesgolddorf von 1977. Zapf-Willmerwar und ist einer dieser Visionäre, denenvor allem eine sichere, klimafreundliche und ökologische Energieversorgung am Herzen lag und liegt. Er erklärte den Naturschützern, wie es mit viel ehrenamtlichem Engagement, Mut und Überzeugungskraft in Einzelgesprächen und Bürgerversammlungen schließlich gelang, im Jahr 2012 die Energiegenossenschaft
zu gründen, Kooperationspartner zu finden, staatliche Fördergelder zu beantragen,
Verträge mit den Hauseigentümern vorzubereiten und die Bauüberwachung der Anlagen sicherzustellen.Entscheidende Vorteile „Wir sind im Vorstand der EGO ein
sehr gutes Team und haben eine intakte Dorfgemeinschaft, sonst wäre eine erfolgreiche Umsetzung unserer Ideen nicht möglich gewesen“, stellte Reiner
Zapf-Willmer heraus. „Manches war Pionierarbeit, bei der wir viel dazugelernt
haben. Dass uns mittlerweile sogar eine Delegation aus China besucht und um
Rat gefragt hat, macht uns ein bisschen stolz.“
Mittlerweile seien 58 Prozent der Haushalte an das Nahwärmenetz angeschlossen
– mit einigen entscheidenden Vorteilen, wie der Wirtschaftsfachmann betont: „Wir haben mehr Platz im Haus, da Öltanks, Gas- oder Wärmespeicher,
Heizkessel und Kamin entfallen. Dafür haben unsere Anschlussnehmer günstige Wärmepreise, in denen bereits alle Wartungs- Überwachungs- und Nebenkosten
enthalten sind.“ Und nicht zuletzt hätten die Energiegenossen eine Unabhängigkeit von ständig schwankenden Weltmarktpreisen für Erdöl und
Erdgas. „Im Übrigen bleibt die Wertschöpfung
weitgehend in unserer Region.“
Bei der Besichtigung des Hackschnitzelheizwerks,
das sich in direkter Nachbarschaft
von Gemeinschaftshaus und
Feuerwehrhaus befindet, erfuhren die
Exkursionsteilnehmer, dass es mit einer
thermischen Leistung von 500 Kilowatt
in der Lage sei, den gesamten Wärmebedarf
des Dorfes zu decken. In den Sommermonaten
reiche jedoch allein schon
die Wärmeleistung der Biogasanlage mit
310 Kilowatt aus, die örtliche Landwirte
errichtet haben.
Veronika Schmuck erläuterte die Funkionsweise
des kleinen Biomasse-Kraftwerk
am Ortsrand Richtung Kleukheim
ausführlich. Sie betonte, dass die Anlage
nicht nur mit Mais „gefüttert“ werde,
sondern im Mischbetrieb mit Gülle,
Stallmist und unter Einhaltung der
Fruchtfolge, je nach Jahreszeit, auch mit
anderem Energie lieferndem Grünpflanzenmaterial.
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„Dass uns mittlerweile
sogar eine Delegation aus
China besucht und um Rat
gefragt hat, macht uns ein
bisschen stolz.“
Reiner Zapf-Willmer,
Energiegenossenschaft Oberleiterbach
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Kennzeichnend für die Biogasanlage
ist ein großer, runder, 3600 Kubikmeter
fassender Biomassebehälter, über dem
sich ein kegelförmiger 1800 Kubikmeter
fassender Gasraum befindet. In dem
kleinen Maschinenhaus treibt das eingeleitete
Biogas einen Motor an, dessen
Wärmeenergie über einen großen Pufferspeicher
in das 2,5 Kilometer lange
Rohrleitungsnetz an die Verbraucher geliefert
wird und der gleichzeitig über den
angeschlossenen Generator auch elektrische
Energie bereitstellt.
Auch Sonnenenergie wird genutzt
Auf dem gegenüberliegenden Berg,
Richtung Reuthlos, haben außerdem
mehrere Landwirte auf ihren Grundstücken
eine große Freiflächen-Photovoltaikanlage
mit einer Nennleistung von
3700 Kilowatt errichten lassen. Dazu
kommen noch etliche Photovoltaik-
Dachanlagen von Hausbesitzern aus
Oberleiterbach. Zusammen ergebe das
eine elektrische Leistung mit der man
den fünffachen Strombedarf des gesamten
Dorfes erzeugen könne, erläuterte
Reiner Zapf-Willmer.
Besondere Freude herrschte im voigen
Jahr über die Verleihung des Prädikats
„Bioenergiedorf“. „Das hat uns weiter
bestärkt, unser Dorfgemeinschaft liebens-
und lebenswert voranzubringen“,
betonte das EGO-Vorstandsmitglied
meinte während des Rundgangs durch
das malerische Dorf. Als Beispiele nannte
er die Umrüstung der Straßenbeleuchtung
auf LED-Lampen, die Errichtung
eines Rastplatzes mit Trinkwasserstelle
für Wanderer auf dem Jakobspilgerweg,
der mitten durch den Ort führt, das Erneuernund Verschönern des Kinderspielplatzessowie Renaturierungsmaßnahmenam Leiterbach.
„Unser Dorf hat Zukunft“Derzeit werden die Arbeiten des zweiten Abschnitts der Dorferneuerung abgeschlossen, einhergehend mit umfangreichen Pflanzmaßnahmen. Und so machen sich die Oberleiterbacher nun große Hoffnung, beim Dorfwettbewerb
„Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf
soll schöner werden“ möglichst weit zu kommen. Anton Reinhardt dankte ,stellvertretend für die Exkursionsteilnehmer,den Referenten Reiner Zapf-Willmerund Veronika Schmuck für die vielen Informationen und Anregungen.

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Die Erklärungen des Wirtschaftsfachwirts und EGO-Vorstandsmitglied Reiner Zapf-Willmer (3.v. li.) stießen bei den Teilnehmern der Bund-Naturschutz-Exkursion auf
großes Interesse: Das Bild entstand vor dem Holzhackschnitzelheizwerk, einem Herzstück des Bioenergiedorfes Oberleiterbach. FOTOS: ANTON REINHARDT

18.03.17 - Feuerwehr - Jahreshauptversammlung Feuerwehr

„Weil nur so die Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert“

Harald Hümmer ist seit 30 Jahren bei der Feuerwehr – Ehrung bei der Jahresversammlung

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Von MARTINA DROSSEL

OBERLEITERBACH „Nachbarschaftshilfe ist überaus wichtig“, betont Harald Hümmer. „Gäbe es sie nicht, würde die Hilfe zur Selbsthilfe nicht funktionieren. Und deswegen war es für mich nie eine Frage, ob ich zur Feuerwehr gehen würde oder nicht. Früher ist jeder zur Feuerwehr gegangen.“ Drei Jahrzehnte ist es her, dass Hümmer sich für den Dienst „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ verpflichten ließ. 30 Jahre, in denen er so  manchen Einsatz mitbetritt, unter anderem einen großflächigen Waldbrand oder einen Hausbrand im Nachbarort Unterleiterbach. Im Rahmen der Hauptversammlung „seiner“ Freiwilligen Feuerwehr Oberleiterbach wurde er nun mit einer Urkunde als Dankeschön ausgezeichnet.

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